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Museum Baden, Solingen 2005
 

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Gesprächsfetzen am Straßenrand

Gespräch zwischen Michael Krajewski und Jost Wischnewski

 

Was interessiert dich daran, die Schriftzüge einer Straße zu verfolgen?

 

Verkehrszeichen, Signale, Zahlen, Worte oder Pfeile auf dem Asphalt sind Leitsysteme, an denen wir uns selbstverständlich und sehr bequem orientieren – ohne nachzudenken, so wie jeder Verkehrsteilnehmer den Vorrang von „rechts vor links“ internalisiert hat. Solche Schriftzüge, die ich schon jahrelang in vielen europäischen Städten sammle, übertrage ich aus dem Außen- in den Ausstellungsbereich …

 

… brauchen wir Leitsysteme im Museum?

 

Warum nicht? Doch steht für mich dort weniger die Funktionalität der Signale im Vordergrund, vielmehr interessiert es mich, sie als Bild zu kennzeichnen, ihren ästhetischen Wert aufzudecken. Die Ziffern auf der Bundesstraße zwischen Solingen und Remscheid wie eine gestaltete künstlerische Arbeit vorzustellen, lenkt den Blick auf Form, Lage und Anordnung der Schrift, die ansonsten instrumental wahrgenommen wird. Indem die von mir ausgewählten Aspekte der abgefahrenen Strecke „beschleunigt“ dargeboten sind, „verlangsamt“ sich paradoxerweise der Blick des Museumsbesuchers darauf.

 

Du wiederholst authentische Schriftzüge und überträgst sie auf den Museumsvorplatz. Weshalb veränderst du nicht Ihren Inhalt, etwa durch eine groteske Inschrift?

 

Mir geht es nicht um Irritation, sondern um das Schärfen von Wahrnehmung sowie das Transformieren von Geschwindigkeit und die Bewegung. Bereits die unmerkliche perspektivische Verzeichnung erschwert es, die Bodenstruktur sofort als Zeichen zu erkennen, so daß sie erst aus der Entfernung, beim Blick aus dem Fenster, identifizierbar ist.

Ein „HALT“ auf dem Straßenbelag gilt auch für den Blick, „LANGSAM“ auch für die Wahrnehmung, oder „P“ signalisiert Innehalten bereits vor dem Museumsbesuch.